Story · KI in der SPS
KI in der SPS:
kleine Helfer statt großer Zaubershow.
SPS-Programme steuern Maschinen nicht mit Bauchgefühl. Sie müssen nachvollziehbar, robust und fachlich geprüft sein. KI ist hier nicht der heimliche Chef der Maschine — eher der nerdige Kollege neben dem Schaltschrank, der Informationen sortiert, Muster sichtbar macht und Formulierungen vorbereitet.
Kleine Eingriffe. Große Wirkung.
Die Szene
Wenn die Anlage läuft, aber keiner die Fehlersuche liebt
Normaler Vormittag in einer Werkhalle. Die Anlage produziert, aber seit Tagen taucht derselbe Fehler immer wieder auf. Mal steht im HMI nur ein knapper Alarmtext. Mal erinnert sich jemand an einen Umbau von letzter Woche. Mal liegt irgendwo eine PDF-Anleitung, in der genau der relevante Sensor erwähnt wird — nur findet sie in dem Moment niemand.
Im Schaltschrank ist die Welt selten so sauber wie im Lehrbuch. Gewachsene SPS-Projekte, Bausteine mit alten Kommentaren, I/O-Listen in verschiedenen Versionen, Serviceberichte, handschriftliche Notizen — und Menschen, die unter Zeitdruck trotzdem die richtige Entscheidung treffen müssen.
- Warum kommt diese Störung immer nach dem Formatwechsel?
- Was macht dieser Baustein eigentlich genau?
- Welche Änderung wurde beim letzten Service wirklich vorgenommen?
- Welche drei Punkte müssen vor dem nächsten Stillstand geprüft werden?
- Wie erkläre ich dem Betreiber verständlich, was passiert ist?
Kein autonomer Pilot im Schaltschrank
guppydev verkauft keine KI, die eine SPS ersetzt. Eine SPS bleibt dort stark, wo sie stark sein muss: deterministische Abläufe, klare Signale, geprüfte Logik, definierte Verantwortung.
Die Entscheidung bleibt beim Fachmenschen. Die Änderung bleibt prüfpflichtig. Die Verantwortung bleibt sichtbar.
Hersteller wie Siemens, CODESYS und Beckhoff zeigen längst AI-gestützte Workflows im PLC- und Automation-Kontext: Codevorschläge, Projektanalyse, Dokumentation, natürliche Sprache im Engineering. Die Werkzeuge rund um SPS werden schlauer — sichere SPS-Logik schreibt deshalb noch lange keine KI ungeprüft in die Anlage.
Drei kleine Helfer
Module für den SPS-Alltag
Code-Erklär-Guppy
Hilft bei Bestandsanlagen, gewachsenen SPS-Projekten und Übergaben.
- Eingang
- Exportierte IEC-61131-3-/Structured-Text-Ausschnitte, Bausteinnamen, Kommentare, I/O-Bezüge.
- Output
- Verständliche Erklärung für Betreiber, Instandhaltung oder neue SPS-Programmierer.
„Dieser Baustein überwacht den Materialstau vor Station 3. Relevant sind Sensor B12, Zeitglied T_Stau und die Freigabe aus dem vorherigen Takt. Vor einer Änderung prüfen: Handbetrieb und Verriegelung zur Zuführung.“
Grenze
Kein Copy-Paste-Freifahrtschein. Änderungen gehören in Review, Test und Freigabe.
Störungs-Guppy
Hilft, Alarm- und Servicedaten schneller zu verstehen.
- Eingang
- HMI-/SCADA-Alarmtexte, Servicenotizen, Handbuchauszüge, bekannte Fehlerbilder.
- Output
- Sortierte, menschlich prüfbare Fehlerübersicht mit vorgeschlagenem Prüfpfad.
„Die Meldungen A-104, A-107 und A-221 treten auffällig oft nach dem Formatwechsel auf. Erst prüfen: Sensor X im Einlauf, Klemme Y im Schaltschrank, letzter Umbau an Station 2.“
Grenze
Keine automatische Quittierung, keine Änderung an Steuerungslogik, keine Safety-Freigabe.
Doku-Guppy
Macht aus technischen Notizen brauchbare Übergaben.
- Eingang
- Bausteinnamen, Kommentare, I/O-Listen, Änderungsnotizen, Serviceberichte, Stichpunkte.
- Output
- Markdown, PDF-Text, Servicebericht oder Inhalte für eine kleine Web-/HMI-Wissensseite.
„Geändert: Nachlaufzeit der Absaugung von 20 auf 35 Sekunden. Grund: Reststaub nach Produktionsende. Zu prüfen beim nächsten Stillstand: Energieverbrauch, Bedienerfeedback, Verhalten bei Not-Halt-Rücksetzung.“
Grenze
Behauptet keine ungeprüften Tatsachen. Offene Punkte bleiben offen markiert.
Was der Guppy nicht macht
Klare Grenzen sind Teil des Werkzeugs
- keine Live-Steuerung der Anlage
- keine Safety-Freigabe durch die KI
- kein ungeprüftes Deployment in die SPS
- kein heimliches Mitlesen — nur bewusst bereitgestellte Daten
- keine Zertifizierungs- oder Konformitätsversprechen
- kein Ersatz für Elektrofachkraft, Programmierer oder Betreiberprozess
Vertrauenslinie
Safety, OT und Validierung bleiben Chefsache
Fachperson prüft
Jeder Vorschlag bleibt ein Vorschlag — Plausibilität, Quellen und Folgen werden vom Menschen bewertet.
Datenflüsse begrenzt
Der Guppy arbeitet mit bewusst bereitgestellten Daten. Keine Dauerleitung zu allem, was Strom hat.
Rollen, Rechte, Logging
Wer darf sehen, wer darf ändern, was wurde wann freigegeben — sichtbar statt versteckt.
OT-Sicherheit bleibt maßgeblich
Integrationen orientieren sich an OT-Sicherheitsprinzipien und bestehenden Schutzkonzepten.
Seriös formuliert: Integrationen werden mit Blick auf funktionale Sicherheit, OT-Security, Rollen/Rechte, Datenminimierung und Freigabewege geplant — ohne pauschale Konformitäts- oder Zertifizierungsversprechen.
Was dadurch besser wird
Weniger Reibung. Mehr Überblick.
- Instandhaltung findet schneller einen ersten Prüfpfad.
- SPS-Programmierer verstehen Altlogik schneller.
- Betreiber bekommen verständlichere Erklärungen.
- Serviceeinsätze werden sauberer dokumentiert.
- Wiederkehrende Störungen verschwinden nicht im Bauchgefühl.
- Wissen bleibt nicht nur in den Köpfen einzelner Personen.
Der Effekt ist nicht „Die Maschine denkt selbst." Der Effekt ist: Menschen mit Verantwortung bekommen schneller brauchbaren Kontext.
CTA
Eine Anlage, bei der Störungen, Doku oder Altcode unnötig Nerven kosten?
Daraus muss nicht sofort ein Riesenprojekt werden. Lass uns den kleinsten sinnvollen Guppy finden: einen Helfer, der an einer konkreten Stelle Überblick schafft — und sauber begrenzt bleibt.
Hintergrund & Quellen
- Siemens Industrial Copilot — TIA Portal↗
- CODESYS AI-supported Engineering↗
- Beckhoff TwinCAT — AI-assisted Engineering↗
- NIST AI Risk Management Framework↗
- ISA/IEC 62443 — OT-Cybersecurity↗
- CISA Industrial Control Systems↗
Stand der Quellenprüfung: 2026-05-22. Die genannten Hersteller- und Normquellen dienen der Einordnung — sie sind kein Konformitäts- oder Zertifizierungsversprechen für eine konkrete Umsetzung.